
25 JAHRE VIELFALT ALS STÄRKE: EIN GESPRÄCH MIT KAZIM ABACI
Wie ist die Idee entstanden, Unternehmer ohne Grenzen zu gründen?
Die Idee entstand Mitte der 1990er- und Anfang der 2000er-Jahre. Damals ist die Zahl migrantischer Unternehmensgründungen stark gestiegen. Gleichzeitig haben wir festgestellt, dass viele Menschen zwar den Schritt in die Selbstständigkeit wagten, darauf aber oft nicht ausreichend vorbereitet waren.
Auch die bestehenden Regelstrukturen in Hamburg waren auf diese Entwicklung nicht eingestellt. Dadurch konnte das große Potenzial der Migrantenökonomie weder gezielt gefördert noch vollständig ausgeschöpft werden.
Deshalb haben wir gesagt: Neben den bestehenden Strukturen braucht es ergänzende Angebote, die sich gezielt an den Bedürfnissen und Potenzialen dieser Zielgruppe orientieren. Unser Ziel war es, nicht nur auf Herausforderungen zu reagieren, sondern Menschen aktiv zu begleiten und sie auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit nachhaltig zu unterstützen. Das war die Grundidee von Unternehmer ohne Grenzen.
Was war deine Vision – und warum ist Unternehmer ohne Grenzen für dich eine Herzensangelegenheit?
Als wir begonnen haben, wurde das Thema Migration vor allem als soziales Phänomen betrachtet. Viel zu selten wurde gesehen, dass Migration auch ein bedeutender Wirtschafts- und Standortfaktor ist.
Dabei zeigt sich bis heute: Städte und Regionen, die Vielfalt als wirtschaftliche Stärke begreifen und sich dafür öffnen, entwickeln sich erfolgreicher. Migration ist nicht nur eine gesellschaftliche Bereicherung, sondern auch ein wichtiger Motor für Innovation, Unternehmertum und wirtschaftliches Wachstum.
Deshalb war es mir immer eine Herzensangelegenheit, Menschen mit Einwanderungsgeschichte gezielt zu unterstützen und gleichzeitig den Blick auf das Thema zu verändern. Ich wollte deutlich machen, dass Hamburg und Deutschland von der Migrantenökonomie profitieren und dass dieses Potenzial stärker wahrgenommen und gefördert werden muss.
Wenn du auf die vergangenen 25 Jahre zurückblickst: Hast du dir diesen Weg so vorgestellt?
Nein. Damals konnte ich mir diese Entwicklung nicht vorstellen. Ich hatte Visionen und eine klare Idee, aber ich wusste nicht, wie sich das alles umsetzen lässt oder ob unser Ansatz langfristig Bestand haben würde.
Heute können wir sagen, dass sich dieser Weg gelohnt hat. Unternehmer ohne Grenzen ist inzwischen eine etablierte Organisation – nicht nur in Hamburg, sondern auch weit darüber hinaus. Wir haben zahlreiche Projekte initiiert, bundesweit mit vielen Partnern zusammengearbeitet und auch auf europäischer Ebene erfolgreiche Kooperationen aufgebaut.
Darauf blicke ich mit großer Dankbarkeit und auch mit ein wenig Stolz zurück.
Gab es für dich besondere Highlights?
Ja, auf jeden Fall. Unsere Arbeit hat sich im Laufe der Jahre stetig weiterentwickelt. Neben den Schwerpunkten Wirtschaft, Arbeitsmarkt und Qualifizierung kamen weitere Themen hinzu, etwa die Unterstützung von Eltern und Multiplikatorinnen und Multiplikatoren.
Ein besonderes Highlight war jedoch unser gesellschaftspolitisches Engagement. Gemeinsam mit vielen Partnern haben wir die größte Demonstration gegen Rechtsextremismus in der Hamburger Geschichte maßgeblich mit initiiert und organisiert. Rund 200.000 Menschen haben daran teilgenommen.
Neben unseren erfolgreichen Projekten in den Bereichen Wirtschaft, Arbeitsmarkt, Qualifizierung und Elternarbeit ist dieses gesellschaftliche Engagement etwas, worauf ich besonders stolz bin.
Was wünschst du dir für die nächsten 25 Jahre?
In den vergangenen 25 Jahren haben wir eine sehr gute Grundlage geschaffen, auf der wir weiter aufbauen können.
Ich wünsche mir, dass Unternehmer ohne Grenzen auch in Zukunft ein starker und verlässlicher Bestandteil der Hamburger Förder- und Regelstrukturen bleibt, sich kontinuierlich weiterentwickelt und weiterhin dazu beiträgt, Menschen zu fördern, Potenziale sichtbar zu machen und Vielfalt als Stärke unserer Gesellschaft und Wirtschaft zu begreifen.